Im Fußball wird weiterhin gedopt

Januar 9, 2008 von pgerlach

Zitat von http://www.welt.de/sport/article966605/Im_Fussball_wird_weiterhin_gedopt.html:


Nada-Chef Baumert

 

„Im Fußball wird weiterhin gedopt“

Armin Baumert geht davon aus, dass der nationale und internationale Fußball nach wie vor nicht dopingfrei ist. Die Geständnisse zu Dopingvergehen in der Vergangenheit nannte der Vorstands-Chef der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada ein „populäres Outing für die Massenmedien“. Foto: dpa Löste die Doping-Diskussion im Fußball vor 20 Jahren aus: Toni Schumacher Am Freitag sagte er in einem Hörfunk-Interview des Südwestrundfunks SWR: „Die Gegenwart ist knallhart zu betrachten: Der Fußball, international und national, ist keine dopingfreie Zone.“ Die Geständnisse zu Dopingvergehen in der Vergangenheit seien nur ein populäres Outing für die Massenmedien. Weiterführende links

Im Kampf gegen Sportbetrug will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Zusammenarbeit mit der Nada vertiefen, finanzielle Zuwendungen aber von erbrachten Leistungen abhängig machen. „Wir werden prüfen, inwieweit die Nada auch für unsere Dopingkontrollen – und das kann ja immer nur der Trainingsbereich sein – besser nutzbar gemacht werden kann“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Donnerstagabend am Rande der Auftaktveranstaltung „DFB live“ in Kamen-Kaiserau. Wenn die Nada „uns gegenüber“ entsprechende Leistungen erbringt, betonte Zwanziger, dann werde der DFB „Kosten deckend Gebühren oder Entgelte entrichten“. Der Verband sei aber „nicht der Finanzier dieser Gesellschaft, sondern wir haben Sportvereine, denen wir verpflichtet sind“, sagte Zwanziger im WDR-Hörfunk.

 

Die Beweise für Doping sind überdeutlich sichtbar

Laut Baumert sind Beweise für Doping schon in den vergangenen Monaten und Jahren überdeutlich sichtbar geworden. „Man muss keine Angst davor haben zu sagen, im Fußballsport wird weiterhin gedopt“, betonte der Nada-Chef. Defizite habe der Fußball bei der Zahl der Trainingskontrollen. Der DFB verweise auf mehr als 800 Wettkampf-Kontrollen. Im vergangenen Jahr hätten aber vertragsgemäß nur 87 unangemeldete Trainingskontrollen durchgeführt werden können. Ziel sei es, meinte Baumert, bei einer besseren finanziellen Ausstattung der NADA gemeinsam mit dem DFB die Zahl der unangemeldeten Trainingskontrollen in allen Bereichen des deutschen Fußballs zu erhöhen. Schlagworte Fußball Doping Nada Armin Baumert Die jüngste Diskussion um Doping im Fußball hatte der ehemalige Bundesliga-Trainer Peter Neururer ausgelöst. Er hatte behauptet, dass Doping mit Captagon im Profi-Fußball in den 80er Jahren gang und gäbe gewesen sei. Neururers „Enthüllungen“ sind nicht neu: Schon vor 20 Jahren hatten Bundesliga-Spieler von der Einnahme von Captagon berichtet. Auch die Doping-Altlasten bei Ost-Klubs sind lange bekannt, komplette Teams sollen gedopt; vor allem vor Europacup- Heimspielen sollen Amphetamine eingesetzt worden sein.

Neururer: Doping auch im Fußball der 80er Jahre

Januar 9, 2008 von pgerlach
Der frühere Bundesliga-Trainer Peter Neururer hat Doping im Fußball Ende der 80er Jahre als „gang und gäbe“ bezeichnet. „Es ist mir bekannt, dass früher Captagon genommen worden ist. Viele Spieler waren verrückt danach“, sagte Neururer der Sport Bild: „Das war überall bekannt und wurde praktiziert. Bis zu 50 Prozent haben das konsumiert. Nicht nur in der zweiten Liga.“

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagierte umgehend auf die Vorwürfe. „Wir haben einen Brief an Herrn Neururer geschrieben und ihn freundlich gebeten, Namen und Fakten zu nennen“, erklärte DFB-Mediendirektor Harald Stenger am Mittwochnachmittag. Schalkes Manager Andreas Müller sprach derweil von „einer absoluten Sauerei“. Wenn Neururer was wisse, soll er Ross und Reiter nennen, so Müller gegenüber dem sid: „Da macht sich einer wichtig. Für mich kann ich total ausschließen, das bei mir so etwas passiert ist. Ich kann aber nicht beurteilen, was bei anderen war.“

Neururer bezog sich auf seine Zeit beim damaligen Zweitligisten Schalke 04. „Auf Schalke habe ich das 1989/90 auch mitbekommen. Die damaligen Spieler von Schalke 04 kamen ja fast alle aus der Bundesliga in die zweite Liga.“ Unter den Dopingsündern seien auch ehemalige Nationalspieler gewesen, Neururer nannte aber keine Namen.

Matthias Herget, der nach 39 Länderspielen seine Karriere bei den Königsblauen beendete, bestritt auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes (sid) die Einnahme unerlaubter Mittel. „Ich habe immer aus normaler Kraft meine Leistung gebracht, mal besser, mal schlechter“, sagte der 51-Jährige, der für den VfL Bochum und Bayer Uerdingen 237 Bundesligaspiele und für Rot-Weiss Essen, Uerdingen und Schalke 196 Partien in der zweiten Liga absolvierte: „Ich habe nie solche Mittel genommen und auch nicht mitbekommen, dass es andere machten.“

Der Vizeweltmeister von 1986 hält Doping im Fußball für wenig sinnvoll. „Durch Stimulanzien kann man vielleicht schneller laufen, aber man wird kein besserer Fußballer. Das ist Quatsch“, sagte Herget. Neururer will die Wirkung des Aufputschmittels Captagon schnell erkannt haben: „Man sieht den Spielern den Konsum von Captagon an. Die Augen stehen anders. Der Spieler wird nicht mehr müde und neigt auf dem Platz zu Überreaktionen. Das war ein kompletter Wahnsinn, der da gemacht wurde.“

Auch dem damaligen Schalker Masseur Gerard Kuipers ist „das ein oder andere aufgefallen. Die Spieler waren hochmotiviert und sind gerannt wie wahnsinnig“, sagte Kuipers, der von 1968 bis 1999 Bundesliga-Profis beim MSV Duisburg und Schalke betreute, dem sid: „Da habe ich schon gefragt: Junge, wo hast du die Kraft her? Ich weiß nicht, ob das an Captagon lag.“

Er habe „immer nach Mitteln gesucht, um die Spieler besser zu machen“. Die Einnahme der Stimulans Captagon sei ihm aber „nicht aufgefallen. Das kann ich nicht bejahen“. In 30 Jahren Bundesliga habe er aber Erfahrungen gesammelt, mit denen er ein Buch schreiben könnte. Der Masseur warf Neururer vor, nicht reagiert zu haben: „Wenn er gewusst hat, wer das genommen hat, hätte er einschreiten können. Aber er hat sie ja spielen lassen.“

Der damalige S04-Präsident Günter Eichberg will von Doping nichts mitbekommen haben. „Mir ist nichts aufgefallen, ich habe nichts davon gehört, niemand hat darüber gesprochen“, sagte der einstige „Sonnenkönig“ dem sid: „Aber als Präsident kriegt man das ja nicht mit. Das Zeug kann sich jeder selbst besorgen und einschmeißen.“

Neururer, der im November 1990 als Tabellenzweiter beim damaligen Zweitligisten Schalke entlassen worden war, sprach auch von anderen leistungsfördernden Mitteln. „Es gab auch andere Mittel: alle Ephedrine, die auch von den Radfahrern geschluckt werden. Das sind die Asthmamittel. Plötzlich hatte jeder Asthma, um das nehmen zu dürfen. Auch im Nasenspray sind zu 90 Prozent Ephedrine.“

Zur damaligen Zweitliga-Mannschaft der Königsblauen gehörte auch Jens Lehmann. Der heutige Nationaltorwart vom FC Arsenal hatte in der Sport Bild ebenfalls über Doping im Fußball berichtet: „Als ich angefangen habe, mit 17 oder 18 Jahren, da habe ich so etwas gehört. Einige haben wohl, um spielen zu können, Captagon geschluckt.“ Im Team stand auch der heutige Schalke-Manager Müller.

Captagon stand bereits in den Achtziger Jahren auf der Dopingliste. Seit 1988 wurden Dopingkontrollen in der ersten und zweiten Bundesliga durchgeführt.

(Sport-Informations-Dienst, Neuss)

Doping: Rollender Stein wird zur Lawine

Januar 9, 2008 von pgerlach
Nach der Enthüllung über ein Wiener Labor meldet sich auch der mächtige IOC-Vizepräsident Bach zu Wort. Der Mantel des Schweigens ist löchrig geworden. Es bedurfte allerdings eines Sturms aus der Fremde, um ihn fortzufegen. Und plötzlich wird auch in Österreich Aufregung an den Tag gelegt. Die Affäre rund um die Wiener Blutbank, in der Doping praktiziert worden sein soll, sie sorgte und sorgt für Schlagzeilen und heftige Reaktionen. Vor allem in Deutschland.Der KURIER hatte exklusiv über den Schriftverkehr zwischen Dick Pound, dem bis vor ein paar Tagen noch im Amt gewesenen Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), und Staatssekretär Reinhold Lopatka berichtet.

23. November: Dick Pound interessiert sich sehr für die Vorgänge in einem Institut namens Humanplasma. Dort, so will der Kanadier erfahren haben, soll teilweise Blutdoping durchgeführt worden sein. Pound erwarte Auskünfte über den Fortgang der Ermittlungen.

Am Tag davor hatte der KURIER erstmals über die Existenz eines nicht ganz sauberen Labors in Wien geschrieben. Zahlreiche (auch prominente) Athleten aus dem Ausdauerbereich seien regelmäßig (Sonntag, ab sechs Uhr morgens) aufgetaucht, um sich präparieren zu lassen. Unter Obhut hochdekorierter Mediziner .

Entrüstung

Das Humanplasma-Labor im Wien-Alsergrund.Nach der ersten Enthüllung vom 22. November hielt sich das allgemeine Interesse in Österreich in Grenzen. Nun aber, nach der Anfrage des mächtigen Mister Pound, der das (Sorgen?-) Kind beim Namen nannte, nimmt die Entrüstung beängstigende Formen an. Ein Fall wird zum Selbstläufer.

Deutsche Topmedien schickten ihre Leute aus, recherchierten auf Basis der KURIER-Erkenntnisse. ZDF sendet zu prominentesten Zeiten, auch Spiegel , Welt und dpa platzierten die heikle Story an prominenten Stellen. Wohl auch deshalb, weil sich unter den Kunden des Labors im neunten Wiener Bezirk auch Athleten aus Deutschland befunden haben sollen.

Dopingjäger Dick Pound hatte den Stein ins Rollen gebracht.Nicht nur die Medien beschäftigen sich mit der „Causa Alsergrund“. Thomas Bach, IOC-Vizepräsident und beinharter Kämpfer gegen Doping, stand dem KURIER für ein Gespräch zur Verfügung. Er kenne die Hintergründe noch nicht, habe aber von einer Wiener Blutbank auf Abwegen erfahren.

Bach kennt die Problematik aus Deutschland. Der Skandal um die Freiburger Universitätsärzte (drei Mediziner wurden überführt, systematisches Doping betrieben zu haben) ist noch in schmerzhafter Erinnerung. Wie man diesen Fußtritten wider die Ethik entkommen kann? „Es bedarf der Hilfe des Staates“, sagt der mächtige Funktionär, der einmal Olympiasieger im Fechten war. „Man braucht eine integrierte Arbeitsteilung. Und eine Verschärfung des Arzneimittelgesetzes.“ In Deutschland habe man dies realisiert, damit könne man nun strafrechtlich agieren.

Dass in Österreich zu lasch agiert werde in Sachen Doping, dass das Augenzwinkern nach wie vor dominiere, davon will der deutsche Stellvertreter von Jacques Rogge nichts wissen. Wie sein Boss meint auch er: „Es wurde ein neues Anti-Dopinggesetz verabschiedet. Und nach Turin wurde vom ÖOC hart durchgegriffen. Man kann den Willen erkennen, dass man für klare und saubere Verhältnisse sorgen will.“ Aber auch die Vergangenheit will aufgearbeitet werden. Das fordert die WADA. Auch das IOC wird genau darauf achten, wie in der Labor-Angelegenheit verfahren wird. Fakt ist – es wird ermittelt.

Das Bundeskriminalamt stellte Untersuchungen an. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft. Die wiederum wurde aus dem Ausland gebeten, sich die dubiosen Vorgänge in Wien genauer zu Gemüte zu führen. Verraten über die bisherigen Erkenntnisse wird noch nichts.Es dürfte spannend bleiben.

Artikel vom 09.01.2008 17:35 | KURIER | Erich Vogl und Rainer Fleckl

Hallo Welt!

Dezember 12, 2007 von pgerlach

Seit über einem Jahr liest man zum Thema Radsport wenig mehr als irgendwelche Dopingbeichten, Dopingverdächtigungen oder -enthüllungen. Es ist schlimm, was alles geschehen ist, und ich hoffe, dass es gelingt, diesen Sumpf trocken zu legen. Gleichzeitig fürchte ich, dass die Enthüllungen nicht wirklich zu einem Umdenken führen . Während sich der Radsport in Deutschland zumindest bemüht, das Vergangene aufzuklären, Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen und neue Wege zu beschreiten, ist das Problembewußtsein global gesehen längst nicht so weit entwickelt. Noch ernüchternder fällt die Bilanz beim Blick auf andere Sportarten aus: Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene tun manche Funktionäre so, als ob das Thema Doping für sie keinerlei Rolle spielen würde. Manch einer wird froh darüber sein, dass es den Radsport gibt…

Weshalb nun dieses Blog? Zum einen will ich hier eine Art von Übersichtskatalog für mich zum Thema „Doping“ erstellen, um mir selbst die Orientierung zu erleichtern. D. h. wenn ich künftig irgendwo auf eine Meldung zum Thema stoße, werde ich sie hier einstellen bzw. verlinken. Ich bin gespannt, was sich mit der Zeit alles ansammeln wird, aus welchen Quellen die Infos stammen und welche Sportarten auftauchen. Zum anderen beitet das Internet eine hervorragende Möglichkeit, um sich mit anderen auszutauschen, Meinungen und Informationen zu sammeln.